Korallen der Wälder

Für mich sind sie die Korallen der Wälder. Diesen bunten Strauß von unterschiedlichen Baumpilzen habe ich auf einem meiner Streifzüge im Ahrtal entdeckt. Zwar sind die kleinen unbeachteten Schönheiten am Wegesrand eine der weltweit häufigsten Pilzarten, aber erst seit ich am liebsten zu Fuß gehe, haben sie mein Interesse geweckt.

Die dünnfleischigen Baumpilze aus der Familie der Porlinge wachsen formenreich vor allem auf Laubholz. Ihre Fruchtkörper bilden halbrunde Kolonien und erinnern an Blumenrosetten oder an Meereskorallen. Sie zeigen mehrfarbig-bunte, oft seidig-glänzende Zonen. Oft besiedeln Algen ältere Fruchtkörper und sorgen für eine zarte Grünfarbung.

Die botanische Bezeichnung des Pilzes lautet „Trametes versicolor“, was übersetzt „vielfarbige Tramete“ bedeutet. Im Deutschen finden sich auch Namen wie „Bunte Tramete“ oder „Schmetterlingsporling“, wobei sowohl die Form der Fruchtkörper als auch deren Farbigkeit den Hinweis auf die Falter erklären könnte. In Asien nennt man ihn „Wolkenpilz“, im Englischen “Turkey Tail”. Der Pilz ist wegen seiner weltweiten Verbreitung ein pflanzlicher Kosmopolit.

Das Wort „Tramete“ leitet sich von „Trama“ ab. Damit bezeichnen Pilzwissenschaftler das Fruchtfleisch der Pilze, während sie das Wurzelgeflecht Mycel nennen. Anders als die Bodenpilze hat der Fruchtkörper der Trameten wie der vieler anderer Baumpilze keinen Stiel. Aber es gibt noch andere Unterschiede.

Bodenpilze erleichtern mit ihren weitverzweigten Fadenwurzeln, den Hyphen, den Wurzeln der Bäume die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Im Gegenzug ernähren sie sich von dem Zucker und den Kohlenhydraten ernähren, die die Bäume an den Boden abgeben.

Trameten gehören dagegen als Baumpilze zu den zahlreichen Organismen, die Totholz abbauen. Sie sind sozusagen die Erstverwerter in der Natur, die das harte Pflanzenmaterial absterbender und toter Bäume für den weiteren Abbau durch Käfer und zahlreiche Mikroorganismen vorbereiten.

Das Mycel der Trameten baut mit Hilfe von Enzymen in der Natur Lignine ab. Diese Makromoleküle sorgen für die Festigkeit von pflanzlichem Gewebe, ohne sie könnte ein Baum gar nicht in die Höhe wachsen. Lignine haben in der Landnahme der Pflanzen Büschen und Bäumen erst die Stabilität gegeben, die sie außerhalb des Wassers brauchten.

Je nach Holzart und Stand des Verfallsprozesses sind etwa 600 Großpilzarten und rund 1350 Käferarten an der vollständigen Remineralisierung eines Baumes beteiligt. 25 Prozent aller in der Bundesrepublik Deutschland vorkommenden Käferarten leben vom Totholz in seinen verschiedenen Zerfallsstadien.

Auch zwischen Pilzen und Insekten bestehen unterschiedlichste Abhängigkeiten. Insekten übertragen Pilzsporen auf den Holzkörper, die Pilze können wiederum Nahrungsquelle und Teillebensraum für Insekten sein.

Der Waldbauer sieht die Trameten als Schädling, denn sie verursachen Rindenschäden und eine lokale Weißfäule im Splint der Harthölzer, die sogenannte „Krebsfäule“. Am Querschnitt der Stämme sieht man, dass der zerstörte Holzteil zum noch intakten Holz durch dunkle Linien abgegrenzt ist.

Eine Besiedlung von lebenden Bäumen durch Trameten ist eher selten. Der Holzbewohner bevorzugt Baumstümpfe und liegende, dickere Laubholzstämme. Gerne wächst der Pilz an Buchenholz, kommt aber auch an anderen Laubhölzern nicht selten vor. Der Befall von Nadelholz ist sehr selten. Die Fruchtkörper sind ganzjährig zu finden.

Als Speisepilze eignen sich die Trameten aufgrund ihrer korkig-zähen Konsistenz nicht. Sie gelten als ungenießbar.

Die Schmetterlingstramete gilt in der Traditionellen Chinesischen Medizin als bedeutender Heilpilz und ist vermutlich einer der der bestuntersuchtesten Pilze überhaupt. Vor allem in Asien werden zahlreiche Medikamente daraus hergestellt und bei einer ganzen Reihe von bösartigen Erkrankungen eingesetzt.


Die Inhaltsstoffe wirken antiviral, werden zur Grippevorsorge, zur begleitenden Therapie bei Hepatitis und bei HIV- Infektionen eingesetzt. In asiatischen Ländern wird dieser Heilpilz zusätzlich bei der Chemo- und Strahlentherapie verwendet.

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