Heckenditzchen

Jedes Töpfchen find´ sein Deckelchen
Jeder Kater find´ die Katz´
Jedes Knöpfchen find´ sein Fleckelchen
Jedes Mädel seinen Schatz.

Auch eine Pflanze wie der gefleckte Aronstab (Arum maculatum) findet seine Bestäuber. Hierfür hat das Heckenditzchen, wie das Gewächs in der Eifel genannt wird, eine raffinierte Strategie entwickelt.

Ein beißender Geruch nach Urin in den Abendstunden verströmt ist unwiderstehlich für die winzigen Abortfliegen. Die finden sich nicht nur nur in unsauberen Toilettenanlagen , sondern in der Natur überall dort, wo es nach Fäkalien oder Verwesung riecht.

In der Erwartung ihre Eier ablegen zu können, landen sie auf dem breiten Hochblatt, der Spatha, die an ein tütenförmig aufgerolltes Blatt erinnert. Ein öliges Sekret macht dieses Blatt zur glatten Rutschbahn, auf der es für die ungeschickten Flieger kein Halten mehr gibt. Die Rutschpartie endet im unteren helmartigen Teil des Blattes. Die unfreiwillig Inhaftierten werden hier zu aktiven Garanten eines ungewöhnlichen Bestäubungsaktes

Sterile männliche Blütenstände wirken für die auffliegenden Fliegen wie eine Reuse, aus der es kein Entkommen mehr gibt. Im Gegensatz zu den tropischen Kessel-Gleitfallenblumen, ist der Aronstab nur an der Bestäubung durch die winzigen Fliegen interessiert.

Der Aronstab ist eine sogenannte einhäusige Pflanze, bei der sich männliche und weibliche Blüten auf einer Pflanze befinden. Im Inneren der Arrestzelle des Aaronstabs befinden sich fertile männliche und weibliche Blütenstände, die über Nacht nacheinander reifen.

Die unteren weiblichen Blüten reifen zuerst heran und sondern einen sogenannten Empfängnistropfen ab, der die Haare der Abortfliege klebrig macht. Ist das geschehen platzen die männlichen Staubblätter und pudern die Gefangenen mit ihren Pollen ein. Die unruhigen Fliegen im Innern der Hochzeitskammer verteilen ihn dann auf die weiblichen Blüten.

Um eine solche schnelle Reifung zu ermöglichen braucht man in den noch kühlen Nächten des späten Frühjahrs Wärme. Und hier kommt der braune Kolben am oberen Ende des Blütenstandes ins Spiel. Der kann nämlich aus eigener Kraft Temperaturen von 40 Grad Celsius erzeugen und wirkt so auf zweierlei Weise. Mit seiner Wärmestrahlung sorgt er für eine gute Ausbreitung seines Lockpheromons und stellt den interessierten Fliegen eine kuschelige Bleibe für die Nacht in Aussicht. Gleichzeitig sorgt dieser Heizstab nach unten hin für ein feuchtwarmes Klima im Innern des Blütenkelches, damit der Bestäubungsakt über Nacht erfolgen kann.

Sterile männliche Blütenstände wirken für die auffliegenden Fliegen wie eine Reuse, aus der es kein Entkommen mehr gibt.

Am nächsten Morgen erschlafft der Helm und die Öltröpfchen verschwinden, sodass die unfreiwilligen Vermittler bei dieser Pflanzenhochzeit wieder entkommen können. Für ihre Bestäubungsdienste sind sie nicht belohnt worden. Sie sind aber froh, nach einer unheimlichen Nacht des Schreckens mit dem Leben davongekommen zu sein.

Vorsicht! Der Gefleckte Aronstab ist in allen Pflanzenteilen sehr stark giftig.

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