Einvernehmliche Paarung

Jetzt, in den letzten beiden Augustwochen und den ersten beiden Septemberwochen, ist die Zeit der Wiesenschnaken gekommen. Oft sieht man die männlichen und weiblichen Insekten in entgegengesetzter Richtung mit verhakten Hinterteilen bei ihrem Paarungsakt. In dieser Stellung sind sie sogar flugfähig und erinnern an Miniaturausgaben von zweimotorigen Transporthubschraubern.

Die Schnaken sind die Riesen unter den heimischen Mücken. Doch im Unterschied zu vielen ihrer kleinen, oft lästigen und blutsaugenden Verwandten sind sie völlig harmlos. Sie beißen nicht und sie stechen auch nicht. Ihre weichen Mundwerkzeuge könnten unsere Haut gar nicht durchdringen. Erwachsene Schnaken ernähren sich von Nektar und Wasser.

Der Thorax des Schnakenweibchen endet in einem spitzen Legestachel, mit dem das Insekt seine bis zu 500 Eier im Wiesenboden ablegt.

Auffällig sind die langen, spinnenartigen Beine der Schnaken, die mit Sollbruchstellen versehen sind und schnell abbrechen. Ihre relativ kurzen Flügel, die im Ruhezustand abgespreizt werden, und die langen Beine verleihen dem Tier keine guten Flugeigenschaften. Es kann so nicht weiter als 5 Meter am Stück fliegen.

Beim Paarungsritual der Insekten spielen die stelzigen Gliedmaßen der Wiesenschnake eine wichtige Rolle. Ist ein Weibchen paarungsbereit, fasst das männliche Tier seine Partnerin zaghaft an einem der Beine. Durch Heben ihrer Beine signalisiert das Schnakenweibchen seine Einwilligung, worauf das Männchen beginnt, den Kopf seiner Partnerin zu belecken. Nach Händchenhalten und Knutschen dreht sich dann das männliche Tier so ein, bis sich Hinterteil an Hinterteil befindet und der Kopulationsakt beginnen kann.

Die Imagines der Schnaken leben nicht lange. Ihre Lebenszeit beträgt nur 10 bis 14 Tage. Das begattete Weibchen trägt seine fertig ausgebildeten Eier bereits in sich und kurz nach der Eiablage stirbt es. Der Lebenskreis des Tieres schließt sich. Das Ziel der Erhaltung der Art ist erreicht und noch vor dem nahenden Winter hat sich aus den Eiern bereits das dritte der insgesamt vier Larvenstadien entwickelt.

Im Boden spielen die Schnaken-Larven eine wichtige Rolle im System des natürlichen Abfallrecyclings. Die beinlose, tönnchenförmige Schnakenbrut arbeitet eifrig mit im Gesamtkonzert der Bodenorganismen, die Nadeln, Laub und morsches Holz zu wertvollem Boden aufbereiten. Bei massenhaftem Auftreten vergreifen sich die Larven auch schon mal an den Pflanzenwurzeln und sorgen für gelbe Flecken im Rasen oder der Grasnarbe. Und nach einem Jahr Wühlarbeit unter Tage feiern sie zum Herbstanfang ihre Wiederkehr um nach dem Schlupf aus der Puppenhülle als adulte Tiere ihr Brutgeschäft zu zelebrieren.

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