Zwetschgenkuchenwespen

Mein Enkel, fünf Jahre, hat neuerdings Angst vor Wespen. Er steht sicher nicht damit allein. Ich weiß nicht woher diese plötzliche Angst kommt. Vielleicht hat er sie aus dem Kindergarten mitgebracht. Dort wachsen einige Obstbäume, und das Fallobst zieht ganz sicher viele Wespen an, die sich vollfressen um den Winter zu überstehen. Und dann ist es auch wohl so, dass Kinder, die etwas Süßes naschen, die Aufmerksamkeit der Insekten erregen und sie von ihnen belästigt werden.

Gestochen worden ist er nicht, soviel weiß ich. Ob ein anderes Kind gestochen wurde konnte ich nicht herausfinden. Aber seine Angst könnte auch damit zusammenhängen, dass die Kindergärtnerinnen die Kinder vor den Gefahren, die von den lästigen Insekten ausgehen, warnen.

Ja, Wespenstiche können unter unglücklichen Umständen lebensgefährlich sein, in seltenen Fällen sogar tödlich. Jährlich sterben 20 bis 25 Menschen, nicht wegen der unmittelbaren Wirkung des Giftes. Schwellungen in unseren Atemorganen beim Verschlucken einer Wespe oder ein ausgelöster allergischer Schock sind die eigentlichen Gefahren, die die Sorgen von Erziehern und Eltern rechtfertigen. 

Aber Statistik hilft den Betroffenen ja nicht und kann auch nicht wirklich beruhigen. Einsichten wie: “ Doppelt so viele Menschen (55) ertrinken jährlich in ihrer Badewanne” können Eltern, Erziehern und Kindern die Angst nicht nehmen. Verhaltensregeln gegenüber den Lästlingen sind da schon sinnvoller: Sich ruhig verhalten und nicht nach den Tieren schlagen, weil man dadurch Stiche provoziert, jetzt keine Süßigkeiten im Freien essen, auch keinen Pflaumenkuchen auf der Terrasse anbieten, Süßgetränke immer abdecken und nicht direkt aus Limoflaschen trinken, weil das wirklich gefährlich ist und man in den Mund- Rachenraum gestochen werden könnte.

Und dann versuche ich natürlich dem Jungen beizubringen, warum Wespen vor allem im Spätsommer teilweise aggressiv nach süßer Nahrung suchen, und warum man sie auch schützen sollte, obwohl sie uns gefährlich werden können.

Wespen werden jetzt lästig, weil sie sich auf den Winter vorbereiten, den nur gut genährte, begattete weibliche Tiere überleben können. Den ganzen Sommer über haben die Wespenköniginnen damit verbracht, ihre Kolonie aufzubauen. Damit in ihrem Volk alle ihre bis zu 5000 Untertanen friedlich ihre Arbeit verrichten, und die besteht wie bei den Bienen im Wesentlichen aus der Erweiterung des Nestes und der Ernährung und der Pflege der Brut, hat sie mit einem Pheromon für die nötige Stockdisziplin gesorgt.

Jetzt im Herbst lässt die Pheromonproduktion nach und auch die Eiablage wird nach und nach eingestellt. Jetzt, wenn der Stoff, der die Arbeiterinnen im Wespennest bis dahin abgehalten hat zu ihrer Königin in Konkurrenz zu treten, versiegt ist und die von der Eiablage erschöpfte Königin vor ihrem Ende steht, ist die Zeit der letzten Brutgeneration gekommen. Erstmals hat die Königin jetzt auch Drohneneier gelegt, die ähnlich wie bei der Honigbiene, aus unbefruchteten Eiern herangewachsen sind. 

Die jungen Wespen nutzen die letzten frostfreien Tage um sich noch zu verpaaren, wobei die Drohnen nach dem Befruchtungsakt absterben. Die Königinnen des nächsten Jahres fressen  sich jetzt genügend Fettreserven für den bevorstehenden Winter an. Noch vor den ersten kalten Tagen werden sie sich dann gut versteckt in Ritzen, im Totholz, unter der Laubstreu oder in Boden überwintern. Ihre Winterstarre senkt den Energieverbrauch. Glycerol, ein körpereigenes Frostschutzmittel, schützt sie zusätzlich vor dem Erfrierungstod.

Doch bei allen diesen Überlebenshilfen hat man herausgefunden, dass von 10.000 Wespenköniginnen, die in den Winterschlaf gehen, nur ein Bruchteil einen eigenen Wespenstaat neu gründen und über den Sommer bringen wird. Schuld daran haben vor allem Fressfeinde, Parasiten, Revierkämpfe, und ganz entschieden auch der Mensch.

Was wir Menschen in der Zwetschgenkuchenzeit gerne an diesem Lästling übersehen ist, dass die Gelbröcke den ganzen Sommer über eine Vielzahl von Schädlingen, die auf ihrem Speisezettel stehen, mit ihrem Appetit auf Fleisch klein gehalten haben. Um ihre Brut zu versorgen, benötigen Wespenstaaten Unmengen von Insekten. Je nach Größe eines Wespenstaates können die Arbeiterinnen täglich 3000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und anderes Ungeziefer vertilgen. Denn ihre Brut benötigt zu ihrem Heranwachsen vor allem tierisches Eiweiß, gerne auch Aas. Als ökologische Gesundheitspolizei entsorgt sie auch Tierkadaver. 

Mehr Information zum Thema Wespen kann man unter https://www.wespen-ratgeber.de/ finden

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