Fette Beute

Unter einem Blumenkasten auf meiner Terrasse hat sich eine Kolonie der Schwarzen Wegameise angesiedelt. Von hier aus schwärmen die Arbeiterinnen aus, um in meinem Garten für ihre Königin, die Kolleginnen und den Nachwuchs gute, eiweißhaltige und energiereiche Nahrung zu suchen.

Die auch Gartenameisen genannten Insekten findet man häufig als Hüterinnen von Blattlauskolonien auf Gartensträuchern und Obstbäumen. wo sie sich Blattläuse wie Milchkühe halten. Sie tragen ihre Läuseherde sogar in bislang nicht beweidete Blattregionen der Pflanzen. Soviel Arbeit und Fürsorge bringt Gewinn. Mittels Berührungen ihrer Antennen stimulieren sie die Abgabe der Pflanzenschädlinge von ihren zuckerhaltigen Ausscheidungen. Nicht nur Ameisen lieben das. Honigtau, so nennt man dieses „Läusepipi“, ist nicht nur für Ameisen ein erstklassiger Energydrink.

Allgemein ist bekannt, dass Ameisen zu den stärksten Lebewesen gehören, wenn man ihre Kraft in Relation zu ihrem Körpergewicht setzt. Allein können sie bis zum Vierzigfachen ihres eigenen Gewichts tragen. Das liegt zum einen an dem Verhältnis zwischen Körpergröße und Muskelkraft. Je kleiner der Organismus umso schwerer kann er tragen. Das gilt auch bei uns Menschen: Schwergewichtler stemmen etwa das Doppelte ihres Körpergewichts, die Fliegengewichtler schaffen das Dreifache.

Neben einem Getränk, das nicht nur Flügel zu verleihen scheint, benötigen Ameisen für ihre beeindruckenden Energieleistungen auch Proteine. Die gewinnen sie meistens von toten Insekten, die sie auf ihren Patrouillen finden und nach Hause bringen, um sie dort mit ihren Schwestern zu teilen.

Ein eindruckvolles Beispiel für die Stärke der kleinen Kraftpakete konnte ich jetzt auf meiner Terrasse beobachten und dokumentieren. Eine Ameise schleppte eine ausgewachsene tote Pferdebremse quer über die Platten in Richtung Ameisenbau. Die fette Beute aus der heimischen Fliegenvielfalt gehört mit 35 Millimeter Körperlänge zum den größten unter den heimischen Bremsen. Mit dieser Leistung hätte die Ameise jede Strong(wo)man-Meisterschaft gewonnen.

Eine kleine Anmerkung zu der toten Fliege. Wie bei der Familie der Bremsen üblich, sind die Männchen reine Vegetarier. deren Nahrung aus Pollen und Nektar besteht. Weibliche Bremsen brauchen aber nach der Paarung Proteine und müssen wenigstens einmal Blut saugen, damit sich die Eier optimal entwickeln.

Im Gegensatz zu Steckmücken, die mit einem feinen Stechrüssel das Blut von Säugetieren saugen, sind Bremsen sogenannte Poolfeeder, die die Haut mit ihren Mandibeln aufreißen und das aus der Wunde austretende Blut trinken. Ein Sekret sorgt dafür, dass das Blut schnell gerinnt. So könnten Bremsenbisse zum Einfallstor für Krankheiten wie die Borreliose werden.

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